Risiken und Nebenwirkungen des Gesundheits-Surfens

20. Juli 2017

Wenn googeln krank macht. Rund 80 % der Internetuser surfen nach Gesundheitsthemen. Dabei sind längst nicht alle Gesundheitsportale frei von ideologischen oder kommerziellen Einflüssen. Worauf sollten Sie achten?

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Wie unabhängig sind Gesundheitsinformationen im Internet?

Kopfschmerzen, Übelkeit und Fieber. Heute fühle ich mich nicht gut. Ich befrage "Dr. Google". Dieser bietet eine Auswahl an möglichen Diagnosen. Sonnenstich, Meningokokken, Hirntumor … STOP - Hirntumor? "Hirntumor",  "Arten von Hirntumor", "Behandlung" ... sind meine nächsten Fragen an Google.  Komischerweise geht es mir dabei immer schlechter und meine Suchanfragen werden immer pessimistischer.  "Überlebenschancen", "Patientenverfügung", "letzter Wille" …  

Googeln kann tatsächlich krank machen. “Cyberchondrie, die Todesangst klickt mit”, titelte  der Stern bereits im Jahre 2011. Aber auch für nicht cyberchondrisch oder hypochondrisch veranlagte Menschen ist die Unterscheidung zwischen wissenschaftlich fundierten und unseriösen Gesundheitsinformationen schwierig, sofern sie über kein medizinisches Fachwissen verfügen.

Nachfolgend eine Gebrauchsanweisung für gesundes Surfen

Ein Blick ins Impressum

Der  Blick ins Impressum lässt erahnen, wie unabhängig die dargebotene Information von kommerziellen Interessen ist.

  • Wird die Website von einem Arzt, einem Unternehmen oder einem Verein betrieben?
  • Ist diese Person qualifiziert, diese Informationen weiterzugeben?
  • Wer finanziert die Website?
  • Enthält das Impressum alle gesetzlich vorgeschriebenen Elemente, wie zB die Erwähnung und Verlinkung zu der jeweiligen Kammerzugehörigkeit?

In Deutschland, Österreich und auch in der Schweiz besteht eine Impressum-Pflicht

Abnehmpillen, Potenzsteigerungsmittel und sonstige Allheilmittel

Besteht die Website vorrangig aus blinkenden und flackernden Werbebannern, so wird der restliche Inhalt sehr wahrscheinlich darauf beruhen, die dargebotenen Produkte in jeder Hinsicht zu lobpreisen. Ob wissenschaftlich fundiert oder nicht, sei dahingestellt.  

Für medizinische Websites gelten sowohl die Gebote der Transparenz als auch der Unabhängigkeit.  Dh. Werbung muss klar und deutlich als solche gekennzeichnet werden.

Was Unabhängigkeit betrifft, ist Google nicht immer der beste Ratgeber. medisuch zB ist eine eine Spezial-Suchmaschine für Medizin und Gesundheit, laut eigenen Angaben spam- und industriefrei.

Das ewige Leben und die Heilung von Krebs

Auch übertriebene Versprechungen sollte die Vorsicht in Ihnen wecken. Selbst der beste Onkologe kann nicht jeden Patienten zusichern, Krebs zu heilen - schon gar nicht ohne eingehende Anamnese. Auch auf Nebenwirkungen muss hingewiesen werden.

Aus der Zeit des Aderlasses und der Pockenepidemie

Okay, das ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber medizinische Informationen sollten aktuell sein. Bestenfalls sind die Informationen sowohl mit einem Erstellungsdatum als auch einem Datum der letzten Änderung versehen.

Was sind HON und AFGIS?

Beides sind Gütesiegel für medizinische Informationen. Das bedeuten, die Websites werden jährlich verifiziert und auf die formale Richtigkeit, wie Transparenz, Kennzeichnung und Trennung der Werbung, vollständiges Impressum und Angabe der Aktualität überprüft. Wenn Sie auf die Logos klicken, sollten Sie Informationen zur letzten Verifizierung und deren Gültigkeitsdauer erhalten. Anzumerken ist, dass der Inhalt nicht Bestandteil der Überprüfung ist. 

Weiterführende Informationen:

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