Wann ist meine Homepage endlich online?

27. August 2017

Von den Mühen eine Homepage zu erstellen und den Mühlen der Daueroptimierung. Ein modernes Märchen.

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Bild: Der "Werbezwerg" aus dem modernen Märchen von Rosa Pessl.

Es war einmal ein junger Unternehmer. Erfolgreich hat er seine Ausbildung als Heilmasseur absolviert. Den Gewerbeschein hatte er bereits in der Tasche und die ersten zufriedenen Kunden kamen gebückt vor Rückschmerzen in und glückselig in aufrechter Haltung aus seiner Praxis. Es fing an zu laufen, aber es lief noch nicht gut genug. Eines Tages erschien der Werbezwerg und stellte ihm eine schicksalsträchtige Frage: “Bist du schon online?”. Das war es: Dem Unternehmer fehlte eine Homepage. Ja klar.

So eine Homepage zu erstellen, das kann doch nicht so schwer sein, dachte sich der Unternehmer und begab sich auf die Suche nach Anleitungen im Internet. Gratis sollte sie sein, es gibt doch so viele Webbaukästen. Jimdo, WordPress, Typo3 .. ach zum Teufel, die Qual der Wahl ... Vieles war zu lesen, vieles war unverständlich, die Homepage-Entwickler scheinen eine eigene Sprache zu sprechen. Jeden Abend tauchte der Unternehmer ein - in die Wirren des Internets, der Foren und Youtuber. Er probierte, studierte und probierte. Naja - langsam begann seine Homepage zu wachsen. Aber warum ist die Schrift so klein? Und das Logo, dass sollte doch links oben sein und nicht rechts. Und ein Formular wäre auch nicht schlecht. Der Unternehmer haute in die Tasten und fand des Rätsels Lösung: “Sie müssen ein ein Plugin installieren.” Ein Plugin? Er rauft sich seine ohnehin schon schütteren Haare.

Die Nächte wurden länger und länger. Bald schleppte sich der Unternehmer genauso gebückt in seine Praxis wie seine Kunden. Dicke Ringe säumten seine Augen. Irgendwie schaffte er es nach unzählig durchgoogelten Nächten dann doch. Seine Homepage ging online. Zwar mit mächtigen Abstrichen in Design und Funktionalität, aber es war geschafft. Endlich …  Dann kam der Werbezwerg wieder in seine Praxis und meinte:  “Deine Homepage …” - sein Blick verriet nichts Gutes - “.. sieht am Handy besch***eiden aus.”

Und tatsächlich, die Homepage des Unternehmers hat kein responsive Design, wie er nach vielen weiteren Stunden des Suchens erfuhr. Once again … Die Nächte verbrachte er nicht mit seiner Frau, sondern mit seiner gar nicht mal so geheimen Geliebten - Google. Die Praxis öffnete er immer später,  nun verließen seine Kunden genauso gebückt seine Praxis, wie sie gekommen waren. Keine Glückseligkeit mehr. Nach gefühlten tausend Anläufen hatte es der Unternehmer dennoch geschafft: Seine Homepage war nun responsive. Nun lief sie - die Homepage. Aber die Praxis? Mehr schlecht als recht.

Abermals erhielt der Unternehmer Besuch vom Werbezwerg. Der Unternehmer, zwischenzeitlich geschieden und um eine Haushälfte ärmer (soviel zur kostenlosen Homepage), bekam beim Wort "Homepage" mittlerweile ein knallrotes Gesicht, Schweißausbrüche, Herzrasen... Überhaupt lag dieses Prachtstück bereits seit Monaten brach. Es kam was kommen musste. Der Zwerg setzte zum Sprechen an:   “Also deine Homepage - du musst schon einen Blog ....” Wutentbrannt brüllte der Unternehmer: "Einen Sch**** muss ich!" Tja, und wenn sie nicht gestorben sind, liegen sich die beiden heute noch in den Haaren.


 “Einen Sch*** muss ich, warum man nicht jeden Trend mitmachen muss” ist auch das Thema der Blogparade von “federführend Media” Elke Schwan-Köhr und dieser Artikel mein Beitrag dazu.

Es gibt eine gute Nachricht: Sie müssen nichts! Und eine schlechte: Eine Homepage gehört zu (fast) jedem Unternehmen dazu.

Der Sinn und Unsinn des DIY-Trends

Beim Webdesign verhält es sich genauso wie in jeder anderen Branche. Sie möchten ein Haus renovieren. Natürlich können Sie es selbst machen. Wenn Sie Zeit und Freude daran haben, dann tun Sie es. Wenn Sie technikaffin sind und sich gerne mit Themen wie Suchmaschinenoptimierung, Benutzerfreundlichkeit, Textgestaltung, etc. beschäftigen, dann tun Sie es. Ich möchte Ihnen nur ein paar Aspekte mit auf dem Weg geben.

Stellen Sie sich vor, Sie haben nach längerer Recherche Ihr Webbaukasten-System gefunden. Nun benötigen Sie eine Vorlage (auch Template oder Theme genannt).

Viele dieser Vorlagen:

  • sind veraltet und nicht optimal für das Handy zugänglich
  • können nur eingeschränkt an Ihre Designwünsche angepasst werden
  • sehen gleich aus und lassen sich kaum individualisieren
  • haben eine sehr lange Ladezeit
  • sind nicht barrierefrei und entsprechen streng genommen nicht den gesetzlichen Vorschriften
  • entsprechen selten den Standards einer webkonformen Programmierung (W3C), was zu Darstellungs- und Funktionproblemen führen kann

Es liegt an Ihnen zu unterscheiden, welches Theme den Anforderungen genügt und welches nicht. Oftmals werden Sie Tücken und Hindernisse erst mitten in der Einrichtung entdecken. Darüber hinaus müssen Sie bei Systemen wie WordPress regelmäßig Zeit für die technische Aktualisierung Ihrer Website einplanen, ja hier spreche ich tatsächlich von “müssen”. Denn - tun Sie das nicht - wird Ihre Website nicht nur veraltern, sondern auch Sicherheitslücken aufweisen. Gerade bekannte Systeme sind häufig Ziele von Hacker-Attacken.

Letztlich zählt auch das Erscheinungsbild. Sie möchten keine billigen Produkte oder Dienstleistungen anbieten? Es soll nicht billig wirken? Aber wie wirkt nun der Satz: "Diese Website wurde mit xy erstellt. Mit xy kann sich jeder kostenlos ... eine Homepage gestalten." Fügt sich diese Philosophie in Ihre Preisgestaltung? Ein weiteres Muss einer Homepage ist: Authentizität. Ihre Homepage ist Ihr virtuelles Zuhause. Was darf es nun sein?

Ein Fertigteilhaus mit hoher Eigenleistung oder ein schlüsselfertiges - individuelles - Baumeisterhaus?

Aber ein Baumeisterhaus ist teuer, oder?

Webbaukästen können Sie großteils gratis nutzen. Richtig! Allerdings sind diese Gratisversionen low Level, wohl eher für den privaten Gebrauch bestimmt. Was darüber hinaus geht, kostet, was individuell wird, kostet noch mehr oder ist schlichtweg nicht, bzw. wiederum nur von Experten umsetzbar. Nicht zu vergessen ist hierbei auch Ihre eigene Arbeitszeit. Aus den versprochenen "Inhalte in Sekunden einrichten" werden oftmals Stunden. Angenommen, Sie benötigen 40 Std., damit Ihre Website läuft, so wären das auch bei absurden € 20,00 Stundensatz bereits € 800,00, die Sie an Umsatz in Ihrem Kernbusiness generieren könnten.

Aber die Technik ist nur die halbe Miete.

Eine Website bedarf:

  • eine zielgerichteten Planung
  • eine Recherche des Mitbewerbes und der wichtigen Keywörter
  • einen Blick auf die Zielgruppe
  • eine klare Botschaft der Einzigartigkeit des Unternehmens
  • eine Seitenstruktur, die den Grundstein für die Suchmaschinenoptimierung legt
  • attraktive Texte, die sowohl Kunden als auch Google ansprechen
  • ein zum Unternehmen passendes Design

Das sind die Zutaten. Erst wenn die Ausrichtung geklärt ist, startet die technische Umsetzung. Das ist unabhängig davon, ob Sie sich in dem Trend "DIY-Webbaukasten" anschließen oder doch lieber die professionelle Unterstützung einer Agentur suchen und den Fokus auf Ihre Kernkompetenzen setzen.